Corpus Delicti

2 Schauspielereinen auf einer Theaterbühne Keine Schmerzen, keine Krankheiten – allen Menschen geht es gut, ist das nicht schön? Deutschland, ein Gesundheitsmärchen aus dem Jahre 2057: Gesundheit ist vom Staat nämlich als höchstes Gut deklariert. Jeder Mensch trägt einen im Oberarm implantierten Chip, der Auskunft gibt über Blutwerte, körperliche Fitness und persönliche Daten. Gegenseitige Berührungen sind unerwünscht, Trinken und Rauchen gelten als kriminelle Handlungen, Fortpflanzung findet nur nach der staatlich festgeschriebenen DNA-Kompatibilitätsüberprüfung statt. Anstelle der Demokratie ist das Rechtssystem mit dem Namen »die Methode« getreten. Ein System mit Anspruch auf Unfehlbarkeit. Zur Verteidigung dieser Gesundheitsdiktatur steht der »Methodenschutz« parat, dessen Eingreifen jedoch kaum noch nötig ist, da der Großteil der Bevölkerung sich offensichtlich mit der METHODE arrangiert hat. Wer ein „Recht auf Krankheit“ fordert, wird vom Staat als Terrorist verfolgt. Die junge Biologin Mia Holl steht vor Gericht, weil sie – trotz eines scheinbar eindeutigen DNA-Beweises – nicht glauben will, dass ihr Bruder Moritz eine Frau vergewaltigt und umgebracht haben soll. Im Gefängnis, inhaftiert als angeblicher Feind des Systems, ohne Aussicht auf Freiheit, begeht Moritz Selbstmord. Seine Schwester wandelt sich von der überzeugten Mitläuferin zur Zweiflerin und schließlich zur Gegnerin des Systems. Die Schriftstellerin Juli Zeh ist seit gut einem Jahrzehnt erfolgreich mit Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Essays. Sie ist studierte Juristin, weshalb es nicht allzu sehr überrascht, dass ihr Stück „Corpus Delicti“ im Untertitel als »Ein Prozess« bezeichnet ist. „Corpus Delicti ist keine Science-Fiction”, sagt die Autorin. „Es ist einfach nur ein kleiner Kunstgriff, den ich benutzt habe, um eine Gegenwarts-Diagnose zu erstellen. Wenn man es in die Zukunft transportiert, gibt es die Möglichkeit auszusortieren und bestimmte Strömungen etwas zu übertreiben und dadurch genauer herauszuarbeiten. Ich wollte nicht sagen, was möglicherweise in 50 Jahren der Fall sein wird. Sondern ich wollte auf etwas hinweisen, das jetzt schon in der Tendenz besteht.” DarstellerInnen: Thorben Bartholomay, Talke Blaser, Josephine Gey, Till Klein, Miriam Mentzel, Michèle Akouvi Müller, Janosch Roloff, Eva Wiedemann / Inszenierung: Irina Miller /Licht: Sascha Wiedemann.